Bernsteinschaben sind nur harmlose Einwanderer

Zoologen und Kammerjäger werden in letzter Zeit häufig von Bundesbürgern verständigt, die einen Kakerlakenbefall bemerkt haben wollen. Tatsächlich handelt es sich bei den ungebetenen Besuchern aber oft um die Bernsteinschabe und diese ist komplett harmlos.

Diese wärmeliebende Spezies gehört zu der Familie der Waldschaben. In der Bundesrepublik beheimatet ist sie seit ca. 14 Jahren; ursprünglich kommt sie aus Südeuropa. Die anhaltende Klimaerwärmung machte es ihr möglich, sich weiter gen Norden auszubreiten und somit wird sie immer wieder auch in bundesdeutschen Wohnungen gesichtet. Die bernsteinfarbene Schabe ist glücklicherweise harmlos. Sie ernährt sich ausschließlich von verrottenden Pflanzenteilen und lässt unsere Lebensmittel in Ruhe. Sie vom Fachmann bekämpfen zu lassen ist deshalb nicht unbedingt nötig. Will man jedoch völlige Gewissheit haben, dass es sich bei dem beobachteten Insekt nicht um eine Kakerlake handelt, ist eine Schädlingsidentifikation durch einen Spezialisten ratsam.

Die Bernsteinschabe ist aus dem Mittelmeerraum zu uns nach Deutschland eingewandert. Die Überquerung der Alpen wurde ihr erst durch die anhaltende globale Erwärmung ermöglicht: Schon Ende der 90er Jahre hat die Schabe im Norden der Schweiz Fuß fassen können. Zum ersten Mal in Deutschland gemeldet wurde sie im Jahr 2001 und zwar in der Nähe der Grenze zur Schweiz, in Weil am Rhein. 2012 fand man sie erstmals sogar im noch nördlicher gelegenen Freiburg.

Es besteht eine Verwechslungsgefahr mit der als Schädling einzustufenden "Deutschen Schabe" (lat.: Blatella germanica). Diese verunreinigt unsere Lebensmittel und überträgt ggf. sogar Krankheiten auf Mensch und Haus-tier. Als Unterscheidungsmerkmal dienen zwei dunkle Streifen am Halsschild des Ungeziefers; den einfarbig braunen Bernsteinschaben fehlen diese. Auch beim Verhalten der beiden Schabenarten lassen sich Unterschiede beobachten: Die aus den Tropen nach Deutschland eingeschleppte, flugunfähige Deutsche Schabe kann nur innerhalb von Häusern überleben. Sie ist nur nachts aktiv und wird sie gestört, sucht sie sofort Schutz in der nächstgelegenen Ritze. Die tagaktive Bernsteinschabe hingegen sucht keine Zuflucht und rennt stattdessen umher.

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